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Die Richter des Herzogtums Stolzenforst

Baron Adeodatus von Buchenhain

Strenge - kein Wort wird dem alten Adeodatus von Buchenhain wohl gerechter. Als Sohn eines königlichen Archivars und einer Amtschreiberin war sein Weg buchstäblich vorbestimmt. Früh schon lernte er Lesen sowie die Schriftkunst, die Ausbildung in Rechtskunde folgte in jugendlichem Alter. Sein Vater Theodorus trieb die Karriere seines Sohnes voran. Durch seinen guten Ruf sowie seine vielfältigen Kontakte bei Hofe begab es sich schließlich, dass sein Sohn Adeodatus bereits in recht jungen Jahren in den Stande eines Richters erhoben wurde, selbstverständlich mit der damit verbundenen Adelung in den Stande eines Junkers.

Schon in den ersten von dem jungen Richter geführten Prozessen wurde überaus deutlich, dass er ein sehr penibler und das Gesetz bis auf das kleinste beherrschender Mann war, dem es zu keiner Zeit daran gelegen war, Gesetze auszulegen, sondern lediglich den Codex Juris haargenau umzusetzen. Bald schon war er wegen seiner strengen Urteile gefürchtet, oft brachen die Angeklagten bereits in Tränen aus, wenn der Richter den Saal betrat um die Verhandlung zu eröffnen.

Durch seinen harschen Umgang mit dem Gerichtspersonal wurde er als Person auch innerhalb der königlichen Kanzlei gemieden, wo es nur möglich war. Dadurch verbitterte der mittlerweile in den Stande eines Barons erhobene Richter noch mehr.

Nach dem Tod des Königs wurde er von seinem alten Freund aus Jugendjahren, Wilfried von Zauderbach, nach Stolzenforst gerufen. Auch hier wurde er seinem Ruf bereits in den ersten Verhandlungen mehr als gerecht, gab es doch bereits im ersten Prozess ein Bannurteil für ein Vergehen, wo andere Richter es mit einer Kerkerstrafe hätten bewenden lassen.

Die persönlichen Schreiber des Barons wechselten wie die Kleiderfarben der Lady Edeltraut, kaum ein Schreiberling hielt es länger als einige Wochen bei dem inzwischen greisen Richter aus. Allein die schüchterne Nalini scheint es geschafft zu haben, das Herz des alten von Buchenhain zu erobern. Nie hört man von ihm ein strenges Wort in ihre Richtung.

Jüngst wurde Adeodatus von Buchenhain in der Stadt Vesper als einer der drei neuen Richter eingesetzt, um dort nun fortan Recht zu sprechen. Wohl dem, der sich an geltendes Recht hält und diesem Manne nicht begegnen muss...

Junker Konon Dilliratius

Lethargie – der Inbegriff dieses Wortes scheint wohl der junge Konon Dilliratius zu sein. Der Sohn eines reichen Kaufmanns aus Vesper hat bisher in seinem Leben nie mehr tun müssen als unbedingt notwendig. Früh schon wurde er als einziger Nachkomme verhätschelt, seine Wünsche stets erfüllt. Die Beziehungen seines Vaters zur Gräfin Edeltraut von den Hohen Klippen persönlich ermöglichten dem Sohn das Studium der Rechtswissenschaften. Man munkelt, hierfür habe die Gräfin feinste Kleider aus Seide erhalten, als "kleine Aufmerksamkeit für die hochgeschätzte Dame", wie es der Vater bei der Überreichung jener auszudrücken pflegte.

Doch wer glaubt, dass man den jungen Mann nunmehr fleißig in Bibliotheken beim Studium von Literatur und Schriften fand, so sei dieser Irrglaube schnell wieder beseitigt. Für Bücher konnte sich Konon nicht begeistern, ebenso wenig wie für andere Arbeiten. Stattdessen traf man ihn tagtäglich in Tavernen und einschlägigen Etablissements, wo er seinen Ruf als Frauenheld nur weiter pflegte. Für einen guten Wein und unterhaltsame, in den meisten Fällen leicht bekleidete, Gesellschaft lies er fast alles stehen und liegen.

Wie auch immer es sich zutrug, Konon schloss sein Studium als bester der Studenten ab. Der Umstand, dass das Eheweib des prüfenden Amtmanns am Tag nach der Prüfung mit neustem exklusiven Schmucke aus Eichenstein gesehen wurde, gab nur Anlass zu weiteren Gerüchten. Seltsamerweise verschwand noch am Tag des Eingangs eines Beschwerdebriefes der Verfasser höchstselbst unter mysteriösen Umständen. Bis heute ist der Fall ungeklärt und geriet schnell in Vergessenheit.

Durch den Einfluss von Lady Edeltraut wurde Konon Dilliratius in den Stande eines Junkers erhoben und wirkte fortan im Amte eines Richters. Oftmals war augenscheinlich, dass der junge Mann seinen Pflichten nur mäßig nachkam. Verspätet beginnende Verhandlungen, meist mit einem recht müde wirkenden Richter, dessen Kenntnis über die Fälle selbst oft mehr als zu wünschen übrig lies. Viel mehr jedoch erstaunte das eine oder andere Urteil des jungen Mannes in eigentlich sonnklaren Fällen, wo er unerwartete Milde walten lies. Weitere Gerüchte rankten sich, sah man ihn oftmals nach solchen Urteilen rauschende Feste feiern mit erlauchten Tafeln und sündhaft teuren Spezialitäten aus den entlegensten Winkeln Seandomhans.

Doch was tun, denn Lady Edeltraut hielt große Stücke auf den jungen Mann, doch als Richter bei Hofe, so war man sich hinter vorgehaltener Hand einig, taugte dieser Faulpelz ganz und gar nicht.

So kam es schließlich, dass Wilfried von Zauderbach den ungeliebten Nichtsnutz, im übrigen zur enormen Freude Lady Edeltrauts, in ihre Stadt versetzte, um dort nunmehr sein Amt auszuüben. Ayanyeh schenke seinen Amtskollegen Geduld und Nachsicht...

Freifrau Yeliiria von der Hohen Weide

Sanftmut – selten lässt sich eine Person allein mit diesem Wort beschreiben. Wenn jedoch eine Person diesem Worte gerecht wird, so ist es die Freifrau Yeliiria von der Hohen Weide. Geboren ward sie als Tochter des wandernden Ayanyehpriesters Linus von der Hohen Weide und der Magd Hannah. Ihre Kindheit verbrachte das junge Mädchen auf einem Bauernhof nahe Cove, auf dem ihre Mutter als Magd ihren Dienst tat. Schon früh lernte die kleine Yeliiria, auf dem Hofe zur Hand zu gehen und sich nützlich zu machen.

Ihre Kindheit verlief ruhig und harmonisch, nur die Beziehung zu ihrem Vater gestaltete sich ein wenig schwierig. Zwar liebe sie ihn über alles, doch war er als wandernder Prediger viel in den Landen unterwegs und verbrachte daher nur wenig Zeit bei seiner Frau samt Tochter. Dennoch, immer wenn er einige Tage Ruhe in den grünen Auen um Cove suchte, widmete er sich ganz und gar seiner Tochter, lehrte sie Lesen und Schreiben.

Jene Lehrstunden veranlassten den Gutsherr dazu, die mittlerweile sechzehnjährige Yeliiria mit einigen Verwaltungsaufgaben des Hofes zu betrauen, und sie kam dieser Arbeit mit Fleiß und Gewissenhaftigkeit nach. Eines sonnigen Spätsommertages, sie war gerade dabei einen Botengang nach Cove zu erledigen, wurde sie Zeuge eines Streites zwischen zwei Landarbeitern. Diese stritten sich wohl um einen Lederbeutel, welchen die Beiden am Straßenrand gefunden hatten. Kurze Zeit später hatte sich bereits eine Traube von Menschen um den Ort des Geschehens versammelt, wohl alarmiert durch die mittlerweile lautstarke Auseinandersetzung. Beinahe wäre es zu Handgreiflichkeiten gekommen, als die junge Yeliiria plötzlich auf die Männer zuschritt.

Mit einigen geschickten Gesten vermochte sie es, die beiden Hitzköpfe zu trennen. Danach erkundigte sie sich nach der Sachlage, kurze Zeit später war der Streit durch ihr Fingerspitzengefühl aus der Welt geschafft. Dabei hatte sie nicht gemerkt, dass es plötzlich um sie herum sehr still ward. Kaum zwei Schritt weit entfernt stand die Gräfin Isolde von Dunkelwalde, welche die junge Frau mit einem wohlwollenden Lächeln musterte. Hier nun begann der Aufstieg der jungen Frau. Die Gräfin, beeindruckt durch das Geschick der jungen Frau, nahm sich ihrer an und ermöglichte Yeliiria das Studium der Rechtskunde. Ihre Erhebung in den Stande einer Richterin erfolgte kurz nach Abschluss des Studiums.

Mit Umsicht und Bedacht kam sie ihrem Amte nach. Ihre freundliche, offene Art machte sie zudem bei Hofe sehr beliebt. Die gesprochenen Urteile schienen stets genau dem Sachverhalt angemessen, nicht überzogen streng, doch keineswegs zu milde, auch wenn man durchaus von Zeit zu Zeit wieder merkt, wie sehr sie selbst harte Strafen verabscheut. Kürzlich wurde sie nun vom Obersten Richter Wilfried von Zauberbach nach Vesper beordert, um dort fortan Recht zu sprechen. Glücklich mag sich Vesper schätzen, eine solche Richterin zu haben...

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