Dampfend vor Wut und Zweifel stapfte Raphaela nach Hause. Ihr runenbuch ließ sie unachtsam auf den Lesetisch fallen. Sie selbst pflanzte sich vor den Kamin und lies den Tag Revue passieren.
Mit Giralin hat sie sich lange unterhalten, aber so ganz kam sie nicht an ihn heran….
Zu Allem Überdruss kam dann Argon vorbei und forderte ihn zum Duell.
Lioas Wortwahl gegenüber Argon überraschte Raphaela positiv. Irgendwie schien sie aus dem Gespräch trotzdem etwas mit genommen zu haben. Als sich Lioa aber mit einem hilfesuchenden Blick an sie wandet konnte sie nur hilflos zurücksehen. Das Duell würde keiner verhindern. Eingreifen war auch keine Option – solange das Duell fair war – und das war es, gegen Raphaelas Erwartungen.
Das Giralin unterlegen war, war von Anfang an klar, dass es aber so deutlich verlor hätte Raphaela nicht gedackt. Sie musste sich wirklich zusammen reißen Argon nicht anzugreifen während Giralin noch am Boden lag. Ihr war aber zu sehr bewusst, dass sie dann nur neben ihm liegen würde und das würde keinem helfen. Gezwungen ruhig versorgte sie Giralin also so gut sie konnte. Bei Argons Aussage, dass Giralin zumindest noch lebte platzte Raphaela fast. Sie warf ihm aber nur zurück, dass es wohl nicht seiner Gnade zu danken war. Als Lioa dies noch bekräftigte musste Raphaela innerlich sogar schmunzeln.
Zusätzlich zu den Wunden aus dem Kampf hat Giralin auch noch eingewilligt, sich Wunden über den Handrücken setzen zu lassen.
Als Argon endlich verschwunden war konnten sie sich damit befassen die Wunden zu versorgen. Die Kopfwunde war wohl nicht weiter schlimm, hatte aber scheinbar ausgereicht um Giralin in die Bewusstlosigkeit zu jagen. Er bestand darauf, dass Lioa die Wunden versorgte, da sie Übung brauchte. Raphaela unterstütze sie dabei so gut sie konnte und leitete sie an, so gut sie es wusste.
Als die Wunden versorgt waren und Raphaela sich vergewissern wollte, dass sich nicht noch irgendwo eine Wunde versteckte fiel Lioa nichts Besseres ein, als sie anzublaffen. Der Tag war schon genug, aber das war zu viel. Nachdem Giralin scheinbar auch gerade nicht begeistert war, dass sie überhaupt hier war fischte sie ihr Runenbuch aus der Tasche, verabscheidete sich knapp und verschwand nach Hause.
Da saß sie nun also Wutentbrannt und mit Tränen in den Augen… alleine, zu Hause vor ihrem Kamin und starrte ins prasselnde Feuer. Sie machte sich Sorgen um Giralin… und auch mehr als ihr lieb war um Lioa. Der Abschluss des Abends war allerdings zu viel.
Raphaela konnte tun, was sie wollte. Ob sie nett war und sie verteidigte, auch wenn sie ihr Verständnis und Mitgefühl entgegenbrachte, Raphaela war immer der geheime Feind.
Aber warum? Wovon fühlte sich Lioa bedroht? Was hatte Raphaela ihr getan?