Willkommen! Anmelden Registrierung bei TheOldworld

Novizin

Serina Olidano
02. Juni 2021 09:27
Unerwartet hatte es Abends an ihrer Türe geklopft und man hatte ihr einen Zettel in die Hand gedrückt. Die wenigen Worte waren offenbar hastig niedergeschrieben worden und der Mann, in der Rüstung des Kultes, der vor ihr stand hatte es wohl auch eilig. Ein wenig wütend über diesen Überfall griff sie schnell nach ihrem Umhang und folgte dem Mann zum Kult. Offenbar wollte ihr Bruder sie dort dringend treffen.
In den vergangenen Tagen hatte er sich erstaunlich viel Zeit für sie genommen und sich ihre Sicht der Dinge angehört. Aber er hatte nicht viel dazu gesagt, sie nur angestarrt, wie er es oft tat. Was auch immer er nun vorhatte, er hätte sie ruhig etwas eher fragen können. Am Kult angekommen wartete er bereits auf sie und erklärte ihr mit knappen Worten was er getan hatte. Mehr als überrascht starrte sie ihn noch an, als sich vor ihnen ein Portal öffnete und Meister Blatt hindurch kam. Der Hohepriester hatte sich auf Hartos Bitte die Zeit für ein Treffen genommen.

Das Gespräch mit Meister Blatt war mehr als aufschlussreich gewesen. Er hatte ihr eine Aufgabe gegeben, etwas das nicht ganz einfach würde, aber sie hatte bereits eine Idee wie es umsetzbar war. Viel wichtiger war jedoch eine Frage die er ihr gestellt hatte. Warum hatte sie sich für diesen Weg entschieden und wollte sich vollkommen Mordûl hingeben? Hass wurde ihr fast ihr Leben lang gepredigt. Es war etwas Natürliches aber gleichzeitig etwas, dass sie immer in sich eingeschlossen hatte. Wut machte einen unbeherrscht und die Kontrolle über sich selbst und ihre Masken war ihr mehr als wichtig. Wenn sie sich vor Mordûl beweisen wollte, musste sie lernen den Hass zuzulassen. Doch der Hohepriester hatte ihr auch zugestimmt, dass Kontrolle wichtig war und man sich nicht blindlings dem Hass hingeben durfte. Als Novizin sollte sie mit Verstand vorgehen und die rohe Gewalt den Kriegern überlassen. Er schien sogar ihren Makel hinzunehmen, was sie am meisten verwunderte, da man sie im Orden deswegen offenbar für eine Verräterin hielt. Sie hatte es ihm lieber gleich offenbart, denn weitere Missverständnisse und Misstrauen konnte sie sich nicht leisten. Dies war wohl ihre letzte Chance etwas lernen zu können und sie würde sie nutzen!

Lächelnd schrieb sie nieder, worüber sie noch gesprochen hatten. Über die anderen Götter und wie sie zu ihnen standen, welche Verbindungen zwischen den Dienern der Götter bestanden und wie man diese für sich nutzen konnte. Obwohl Harto sie etwas überrumpelt hatte, damit das er Meister Blatt gefragt hatte sie zu unterrichten, war sie ihm unendlich Dankbar.

Ein Leben in Hass, was bedeutete das? Sie hatte unterschiedliche Antworten auf diese Frage gehört. Klarnik hatte es als etwas erfüllendes beschrieben, das ihm Kraft gab aber auch ein Ziel, wo er vorher nur herumgeirrt war. Wohingegen Harto immer nur von Stärke sprach. Beide waren recht unterschiedlich. Der eine wollte Macht durch Respekt und Anerkennung seiner Dienste für Mordûl, der andere holte sich diese durch rohe Gewalt. Obwohl ihre Brüder beide gescheit waren, neigte Harto eindeutig dazu sich in ungesunde Situationen zu begeben. Alleine eine Taverne voller lichter Diener zu betreten und Streit zu suchen… Da hatte er sich einmal wieder vom Hass zu sehr leiten lassen und nicht weiter nachgedacht. So etwas würde Klarnik nicht geschehen. Er agierte meist aus dem Hintergrund, hatte seine Männer die er das grobe erledigen ließ. So würde sie auch vorgehen, denn das Kämpfen lag ihr nicht im geringsten. Aber was würde mit ihr geschehen wenn sie den Hass mehr zulassen würde? Meister Blatt hatte sehr deutlich gesagt das dieser Weg schwer und schmerzhaft werden würde. Sie kannte den Schmerz gut, das machte ihr keine Angst. Nachdenklich saß sie am Tisch und starrte auf die Kerze vor sich. Sie empfand Hass aus verschiedenen Gründen und würde sie ihn mehr zulassen, würde sie sich bei dem ein oder anderen definitiv rächen wollen. Rache hatte sie auch bereits kennen gelernt. Es war nur eine kurze Befriedigung, das würde den Hass nicht stillen, aber auch nicht weiter schüren. Im Grunde war er das einzige was sie mit anderen verband, da sie zu etwas anderem nicht in der Lage war. Es würde sich für sie nichts ändern wenn sie ihn mehr zulassen würde, solange sie die Kontrolle darüber nicht verlor. Die Antwort auf die Frage, warum sie ein Leben voller Hass gewählt hatte war also recht eindeutig: Weil sie kaum ein anderes Gefühl mit den Menschen verband und er schon immer ein Teil ihres Lebens war. Weil der Hass ihr ein Gefühl von Selbstsicherheit und Macht gab, es war eine starke Waffe die sie zu nutzen lernen wollte. Und weil sie dem Fürsten dienen wollte, denn Mordûl war der mächtigste unter den Göttern und würde eines Tages nicht nur über die Unterreiche sondern über alle Welten herrschen.
ThemaAutorAngesehenDatum/Zeit

Novizin

Serina Olidano26602. Juni 2021 09:27



Aktive Teilnehmer


22 : 1 21 Gäste

Daedalus