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Surië an Fear-Muinthil – Suche nach den Elementarschwestern [IV]

Silithil Nauralass
31. Oktober 2025 00:20
Versteckt zwischen Nebeln und uralten Weiden lag der Spiegelsee von Larethion – ein Gewässer, so klar, dass Himmel und Tiefe eins zu sein scheinen. In seiner Mitte erhob sich eine schmale Insel mit einer Quelle, die zugleich süß und salzig schmeckte und auf der sich die Idhren vor einiger Zeit eingefunden hatte.

„Wer das Gleichgewicht des Wassers sucht, muss sich selbst darin sehen und nicht davon fortlaufen.“ Dies waren die Worte von Caderieveth gewesen, die sie an die Golodh gewandt hatte noch bevor sie eine weitere Prüfung angetreten war. Sie sollte eine verlorene Perle aus dem See der sich vor ihr erstreckte bergen, die vor langer Zeit verloren gegangen war. Es handelte sich um das Tränenauge - Ein Relikt, das die Reinheit der Seele widerspiegelt. Langsam legte sie ihre Kleidung ab und legte diese sorgfältig Neben einer Weide zusammen, wo einige der Amar-faer Wache halten sollten “Die Kleidung bleibt diesmal wo sie ist. Ich verlasse mich auf Euch” Mit einem milden Lächeln wandte sich die Golodh an die weiterhin sehr verspielten Wesen, die daraufhin mit einer mehr oder minder kurzzeitig ernst wirkenden Haltung ihre Zustimmung signalisierten.

Langsam Schritt die Idhren dann in das Wasser und blickte noch einmal empor zum Himmel. Ob wohl Monster in diesen Gewässern lauern? Sie musste Vorsicht walten lassen – Ein leichtes würde es gewiss nicht werden die Perle zu bergen, ansonsten wäre dies gewiss schon vor langer Zeit geschehen. Die Golodh nahm nun einen tiefen Atemzug und tauchte dann hinab in die Tiefe. Von ihren eigenen Sinnen geleitet versuchte sie die Aura, die von der Perle ausging langsam zu ertasten. Der gesamte See schien erleuchtet und von Licht durchflossen zu werden. Trotz all der wundersamen Farbenpracht die sich ihr hier offenbarte, ließ sie sich nicht ablenken. Sie musste ihre Luft achtsam einteilen, sonst würde dieses Unterfangen auch ein schnelles Ende nehmen. Die Golodh musste während ihrer Suche mehr als einmal abtauchen, da sie ihre Luft selbst zwar durch die Hilfe ihr geläufiger Zauber erstzaunlich lange, aber nicht ewig anhalten konnte.

Der letzte Vorstoß in die Tiefe stimmte die Idhren jedoch zuversichtlich die Perle ausfindig zu machen. Die Golosh konnte es spüren, navigierte instinktiv darauf zu und ließ sich von ihrer Intuition leiten. Je tiefer sie herabsank, desto stiller wurde alles. Kein Laut mehr, nur ihr eigener Atem, der langsam verklungen schien. Das Wasser war so klar, dass es so wirkte, als schwebe sie im Nichts. Plötzlich begannen die Strömungen, sich zu kräuseln und Schatten in der Tiefe nahmen Gestalt an.

Es war ihre eigene Facette. Zuerst nur ein Spiegelbild – ruhig, makellos.
Doch je näher sie kam, desto mehr Gesichter tauchen auf.

Ein Spiegelbild, dessen Augen wie glühendes Eis funkelten, sprach mit ihrer eigenen Stimme, die in den Gedanken der Idhren widerhallten, allerdings schärfer, wütender als es ihre Art gewesen wäre.

„Du predigst Gleichgewicht, doch du willst Kontrolle. Du sprichst von Harmonie, doch in Wahrheit fürchtest du Macht. Du willst alles verstehen, um nichts verlieren zu müssen!“

Dieses Spiegelbild griff sie an – nicht mit Waffen, sondern mit Worten, mit Emotionen.
Als die Idhren zunächst noch versuchte dagegenzuhalten wurde das Wasser wild, brodelnd – der Zorn vervielfältigt sich, jeder Schlag gebiert ein neues Abbild. Widerstand gegen die Wut nährte sie. Erst als die Idhren in Gedanken schieg und den “Schlag” nicht erwiderte, sondern den Strom umfließen ließ, verlor der Zorn seine Gestalt.

Etwas später wurde das Wasser plötzlich kalt, trüb und schwer. Ein weiteres Spiegelbild tauchte auf. Es weinte still und jedes Mal, wenn eine Träne fiel, entsteht eine neue Welle aus Dunkelheit.

„Du hast so vieles verloren – Freunde, Orte, deine Kindheit. Du trägst sie in dir wie Steine. Warum lässt du sie nicht ruhen?“

Die Golodh wollte die Trauer abweisen, doch wenig später musste sie feststellen, dass sich das Wasser zu Schlamm verdichtete. Sie begann daraufhin zu sinken, ganz so als würde sie in ihrem eigenen Schmerz ertrinken. Ungelebte Trauer zog sie hinab in den Abgrund und nur mit aller Kraft konnte die Golodh sich gedanklich aus den finsteren Gedanken befreien. Erst als sie den Schmerz annahm, ihn nicht von sich wegstieß, verflüchtigte sich der Schlamm.

Weitere Herzschläge später erschienen mehrere weitere Abbilder von ihr auf einmal. Sie stellten vergangene Versionen ihrer selbst da – Jede von ihnen mit einem ganz eignen Makel. Die junge, arrogante Schülerin, die zu viel verlangte und damals noch als gefangen in der höfischen Etikette ihres Noss war. Die angehende Idhren, die bei der Verfeinerung ihrer Kräfte aus Übermut beinahe das Anwesen ihrer Familie abgebrannt hätte. Die Freundin, die ihre geliebte Katze Elemmírë nicht retten konnte.

„Du nennst Dich Hüterin des Gleichgewichts, doch Du trägst das Gewicht all Deiner Fehler. Wessen Leben wärest Du bereit, zu verlieren, um deine Schuld zu tilgen?“

Die Idhren versuchte sich in Gedanken zu rechtfertigen, aber das Wasser zerrte sie immer weiter dabei nach unten und umtanzte sie in einem Sturm aus aufgebrachten Blasen. Ihre Schuld konnte sie beiseiteschaffen, nur anerkennen. Im kurzen Schock verharrend fasste die Golodh allen Mut zusammen und befreite sich aus dem Wirbel der sie umschloss, um auf die Abbilder ihrer selbst zu zuschwimmen, in dem Versuch sie in die Arme zu schließen. Vergebung, zu sich selbst. Die Abbilder lösten sich daraufhin auf - Nicht in Licht, sondern in Stille.

Nun erschien ein weiteres Spiegelbild - Makellos, überirdisch schön – das perfekte Abbild der Golodh. Ein Ideal dem sie sehr lange am Hofe nachgestrebt hatte. Es schwebt knapp vor ihr und das Wasser selbst schien dieser Gestalt bedingungslos zu gehören.

„Sieh, was Du sein könntest, wenn Du nur endlich aufhörst, zu zweifeln. Die Meisterin aller Elemente. Die, die Cuil und Meth überwindet. Um sie an sich zu binden.“

Zunächst war sie versucht die Gestalt zu erreichen und schwamm langsam auf diese zu, doch dann kam die erschreckende Erkenntnis. Je näher sie ihrem perfekten Spiegelbild kam, desto mehr begann sie sich langsam selbst aufzulösen, denn die Vollkommenheit verlangte ein Opfer – Das eigene Wesen. Stolz ist das falsche Gleichgewicht – das Erstarren im Selbstbild. Die Idhren erkannte, dass Nen spiegelte, was ist – nicht, was sein soll.
Die Golodh hielt nun inne, verharrte einige Zeit regungslos, ehe sie sich vor ihrem Spiegelbild verneigte – Daraufhin zerbrach das Abbild im Licht und Stille kehrte ein

Alle Spiegelbilder waren nun verschwunden. Die Idhren schwebte allein in völliger Ruhe. Kein Druck, kein Klang – Nur Stille. Friedvolle Stille. In diesem Moment erkannte sie das Tränenauge. Es war nicht in der Tiefe, sondern in ihr selbst – das Symbol des Wassers, das fühlte, vergisst, heilt.

„Das Wasser hat dich geprüft, nicht um dich zu brechen, sondern um dich zu zeigen, was du bist, wenn du nichts zurückhältst.“ Caderieveth Stimme erklang einem Flüstern Gleich in ihrem Kopf, als die Golodh schließlich auftauchte. Sie war auf ihrer Suche keinen Monstern begegnet sondern ihren eignen Spiegelbildern - Zorn, Trauer, Schuld, Stolz. Jeder Versuch sie zu zerschlagen war gescheitert und erst als sie innehielt kam die wohltuende Stille.
„Du hast verstanden. Wasser löscht nicht – es trägt. Es bewahrt Erinnerung, heilt durch Annahme, nicht durch Kampf.“ Mit offenen Armen nahm Caderievethsie auf der Insel mit jenen Worten in Empfang. Die Golodh meinte kurz einen gewissen Anflug von Stolz hierin zu erkennen. Ihre Art war so anders als die von Nydaeweth und dennoch schätzte die Idhren beide im gleichen Maße. Es bedarf auch manchmal einer gewissen Strenge um dazu gebracht zu werden den richtigen Pfad einzuschlagen. Sie hatte erkannt , dass Nen im Aspekt von Cuil nährt, heilt, fließt und verbindet. Im Angesicht von Meth ertränkte, löschte, zersetzte, und trug es fort. Nur wer sich selbst in den Wellen erkennen konnte, ist in der Lage andere zu verstehen. Die Golodh lernte hier, dass das Gleichgewicht auch innere Harmonie verlangt – die Ruhe nach dem Sturm.

“Caderieveth, Du hast Deinen Spaß mit dem Sternenkind gehabt – Ich bin nun an der Reihe und auch schon lange genug darauf gewartet.” Gerade als die Golodh sich abgetrocknet und damit begonnen hatte ihre Kleider anzulegen begann der Wind aufzuheulen und trug jene Worte mit sich mit. Wie aus dem Nichts war Sevalidith nun plötzlich aufgetacuht und Wandte sich an ihre Schwester. Die beiden standen freundschaftlicher gegenüber und wie die Idhren mitbekommen hatte, waren diese Treffen auch nicht selten. “Schon gut, Sevalidith – Wie ich vernehme kannst Du es kaum erwarten meinen Gast nun zu dem Deinen zu machen. Nun, ich will Dir nicht im Wege stehen, aber letztlich bleibt es ihre Entscheidung ob sie sich nun schon mit Dir ziehen soll, oder sie weiter bei mir verweilt.” Die ruhige Stimme von Caderieveth war beiden zugewandt und wenig später fixierten die Faer-Muinthil abwartend die Golodh. Jene, zunächst noch etwas unsicher, verneigte sich vor ihrer jetzigen Gastgeberin ehe sie sich Sevalidith zuwandte. “Es wäre mir eine Ehre, wenn Ihr mich jetzt schon für bereit haltet in Eure Hallen einzukehren.” Sie hielt noch inne, bevor sie kurz darauf einmal bekräftigend bei jenen Worten nickte und dann nochmal vor Caderieveth zu verneigen. “Habt Dank, für alles und besodners für jene letzte Letion”

Daraufhin trennten sich ihre Wege und die Golodh trat ihre Reise in die Hallen von Sevalidith an. Was sie dort genau erwarten würde, war ungewiss. Den Pfad und alle Konsequenzen die daraus folgten, würde die Idhren weiterhin schicksalsergeben beschreiten.

Elementarschwestern:

Nydaeweth – Eigenname der Schwester des Feuers
Caderieveth – Eigenname der Schwester des Wassers
Sevalidith – Eigenname der Schwester der Luft
Galealith – Eigenname der Schwester der Erde

Sindarin – Deutsch

Eldalië – „Das Volk der Elben (allg.)“
Golodh/Gelydh – Hochelb(e)/Hochelben
Idhren/Idhrin – Weise (allg.) [Bezogen auf eine Person bezeichnet dies einen Weisen niederen Ranges]
Feanturi – Elementarherren (Herren der Geister)
Nuro i Feanturi – Diener der Elementarherren (Herren der Geister)
Faer-Muinthel/Faer-Muinthil – Elementarschwester
Amar-faer – Elementargeist/Elementargeister
Aerlinn – „Das heilige Lied“ / „Herzschlag der Welt“
Lûth – Magie
Naur – Feuer
Nen – Wasser



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