Der Rauch der Pfeife stieg träge zur Decke seines Arbeitszimmers empor, während das flackernde Licht des Kamins tanzende Schatten über die Regale warf. In seinen Händen hielt Gladios ein Stück Pergament – Vlos'Drathirs Antwortschreiben, gespickt mit künstlicher Strenge, prätentiösem Amtsgehabe und dem krampfhaften Versuch, Autorität zu simulieren. Als er die Zeilen zum dritten Mal überflogen hatte, legte sich ein kaltes, spöttisches Lächeln auf seine Lippen. Kein Zorn, kein Ärger. Nur eine tiefe, fast belustigte Verachtung.
Vollständig war der Drow in die Falle getappt – in das sorgfältig gespannte Netz aus subtiler Unterwerfung und gespielter Reue. Er sog jedes Wort begierig auf, als wäre es ein Ritterschlag, als hätte man ihm endlich das Gewicht verliehen, das er so verzweifelt in sich selbst suchte. Ja, man hatte ihm das Gefühl gegeben, wichtig zu sein. Dass seine Worte Wirkung zeigten. Dass seine Meinung zählte. Wie erbärmlich ein Mann doch sein muss, der sich daran klammert, von jenen gesehen zu werden, die einst weit über ihm standen – und es immer noch sind.
Gladios lehnte sich zurück, ließ die Finger über das Deckblatt eines seiner alten Lehrwerke gleiten – ein Band, den Vlos als Adept nur mit Erlaubnis berühren durfte. Damals hatte der Drow noch gezittert vor Eifer, um eine einzige Silbe Lob. Jetzt verkrampfte er sich in seiner Rolle als Konzilsvorstand, wie ein Kind, das eine Krone aus Papier auf dem Kopf trägt und glaubt, König zu sein.
*"Vielleicht", dachte Gladios, "ist das genau das, was er braucht. Das Gefühl, über mir zu stehen. Er soll glauben, er halte die Zügel – denn nur dann wird er die eigene Leine nicht sehen."
Er rieb sich die Schläfen, mehr aus Gewohnheit denn aus Erschöpfung. Es war beinahe rührend, wie sehr sich Vlos bemühte, einen Schatten zu überholen, den er nicht einmal in Gänze verstand. Jene, die wahrhaft Macht besitzen, verkünden sie nicht. Sie zeigen sie nicht – sie sind sie.
Doch das Spiel verlangte nach einer weiteren Runde. Und so griff Gladios zur Feder, tauchte sie in Tinte, und begann mit jener Grazie zu schreiben, die so vielen bereits das Gefühl gegeben hatte, verstanden zu werden – während sie nicht bemerkten, wie er sie längst gelesen hatte.Dem Siegel zum Gruße Collegus Vlos'DrathirZunächst möchte ich Euch danken, dass Ihr Euch meiner Person noch einmal in dieser Deutlichkeit angenommen habt. Ich nehme Eure Worte zur Kenntnis – mit all der Schwere, die sie für jemanden tragen, der sich seiner Verantwortung bewusst ist. Eure Rolle als Vorstand verlangt Euch viel ab, und ich weiß es zu schätzen, dass Ihr dennoch Zeit gefunden habt, mir ein weiteres Schreiben zu widmen.
Ich nehme den Vorwurf der Ignoranz auf mich, auch wenn ich hinzufügen möchte, dass mein Zögern keineswegs Ausdruck von Arroganz oder Geringschätzung war. Vielmehr bedurfte es der Sammlung und der Prüfung all jener inneren Regungen, die sich angesichts der Entwicklungen – und vor allem der mir zugetragenen Vorwürfe – in mir regten. Als jemand, der lange dem Konzil und seiner Tradition gedient hat, wollte ich vermeiden, in der Aufgewühltheit der ersten Stunde zu antworten. Ich ziehe es vor, mit klarem Geist zu schreiben – und mit dem Respekt, der der Institution gebührt.
Was den Ursprung der Vorwürfe betrifft – und Ihr habt Recht, ich bin diese noch schuldig geblieben –, so liegt das Missverständnis tatsächlich in einem Unterricht der Collega Raphaela. Es war mein Eindruck, dass einige Inhalte von großer Komplexität ohne die gebotene Einbettung vermittelt wurden. In Gesprächen mit Adepten entstand so der Eindruck, dass wichtige Grundlagen – insbesondere zu den Prinzipien der arkanen Manifestation – übergangen worden seien. Ich äußerte meine Sorge diesbezüglich in klaren Worten, in dem ehrlichen Bemühen, auf mögliche pädagogische Lücken hinzuweisen. Später stellte sich heraus, dass es sich um eine gesonderte Einheit handelte, deren Kontext ich nicht vollständig kannte. Die Angelegenheit klärte sich im persönlichen Austausch – und ich bedaure es, dass meine anfängliche Kritik als Herabwürdigung empfunden wurde. Das war nie mein Ziel.
Ich will nicht leugnen, dass mein Ton gelegentlich hart sein kann. Doch entspringt dies keiner Missachtung, sondern der Sorge um das, was wir alle hüten: Die Reinheit und Tiefe der Lehre. Dass ich mich dabei im Ton vergriffen habe – das mag sein. Und wenn es so war, schulde ich dafür eine Entschuldigung – namentlich der betroffenen Magistra.
Was meine Person betrifft – ja, ich befinde mich in einer Umbruchphase. Das Leben verlangt mitunter Wandlung, auch von jenen, die viele Jahre den Wandel leiteten. Ich danke Euch für die Sorge um meinen Zustand. Doch lasst mich Euch versichern: Mein Geist ist klar, mein Wille ungebrochen, mein Weg noch lange nicht zu Ende.
Was den Angriff durch Mitglieder der Ilythiiri betrifft, so werde ich Euch, wie von Euch gefordert, eine gesonderte Aufzeichnung der Geschehnisse übermitteln. Ich teile jedoch nicht die Ansicht, dass ein solcher Überfall keinerlei Relevanz für mein Verhalten im Konzil hat. Wer einmal Ziel gezielter magischer und psychischer Manipulation wurde, muss seine Aufmerksamkeit schärfen – auch innerhalb vertrauter Strukturen. Dies ist keine Ausrede, sondern eine Erklärung. Und ich hoffe, sie findet zumindest Euer Verstehen – wenn auch nicht Eure Zustimmung.
Abschließend danke ich Euch für das Angebot einer Audienz. Ich werde zu dem von Euch genannten Zeitpunkt erscheinen, bereit zur Klärung und zum Dialog.
Arcomagus Partecko