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Die einstigen Grafen des Herzogtums

Die einstige Gräfin von Cove

Isolde von Dunkelwalde

Gute 300 Jahre stand das Geschlecht Dunkelwalde dem Bezirk Cove vor, bis ihre Majestät Josephine von Stolzenforst, die Gräfin Isolde von Dunkelwalde als erste ihres Geschlechts nach Britain beorderte und die Verwaltung Coves, sowie die dortigen Amtsgeschäfte einem, durch das Volk gewählten, Bürgermeister übertrug. Dabei oblag es der Königin nicht die Verwaltung der Gräfin in Frage zu stellen, nein. Eher war es dem Umstand gezollt, dass Josephine bekannte Gesichter um sich haben wollte, welche sie noch aus ihren Kindertagen kannte.

Die Mitglieder des Hauses Dunkelwalde geben nichts auf unnötige Rituale und Festlichkeiten, geben nichts auf höfisches Geplänkel und intrigante Machtspiele und so fühlt sich die Gräfin von Dunkelwalde auch nicht sonderlich wohl im Lande Britain, was sie aber niemals gegenüber der Königin zeigen würde. Das soll nicht heißen, das sie nicht weiß, wann es Zeit ist zu kämpfen oder zu feiern oder Präsenz zu zeigen. Nein, das weiß sie sehr wohl. Doch ist es dieses Spiel der Macht nicht, wonach sie ihr Leben ausrichtet, so wie sie es einst von ihren Ahnen gelehrt bekam. Ihr Leben ist Cove. Seine Leute. Ihre Ahnen verschlossen ihre Augen nie vor den Problemen der Bewohner und sie versuchten jeden mit Gerechtigkeit zu beurteilen. Manche aus der Familie Dunkelwalde wurden gar selbst zu Handwerkern. In Zeiten der Not waren sie sich nicht zu schade, auch selbst mit anzupacken und die eigenen Kassen für das Wohl des Landes zu leeren. Erinnert sei hier nur an das als "Großer Hunger" in den Volksmund eingegangene Ereignis vor vielen Jahren, als sich ohne weitere Umschweife die Tore zu den Kornkammern öffneten und das Gold aus den Schatzkammern floß, um genügend Nahrung für das Volk in das Land zu schaffen, daß nach mißratener Ernten in den vorherigen Jahren vom Tode bedroht war. Noch immer spricht das Volk mit Ehrfurcht von diesem Tag und der damalige Graf Sirain, wird nur mit dem Beinamen "der Gütige" erwähnt.

Sirain, Vater der heutigen Gräfin Isolde von Dunkelwalde, verstarb vor Jahren unerwartet, als ein einstürzendes Haus ihn unter sich begrub. Sein Tod warf einen Schatten der Trauer über das Land, doch nicht einen der Lähmung, denn seine Tochter war herangezogen worden das Land danach zu führen und so stellte sie sich einst dieser Aufgabe, wenn auch früher, als manche erwartet hatten. Ihr Alter betrug damals 17 Jahre als sie dieses Amt übernahm. Doch sie schaffte es, trotz der Kritiker und Derer die meinten sie übervorteilen zu können, um mehr eigene Macht zu gewinnen.

Von Gestalt her ist sie ihrer Mutter ähnlich: die Haare fallen im tiefsten Schwarz seidengleich um ihre Schultern und mit ihren dunkelbraunen Augen scheint es einem, als könne sie jede Lüge und Unwahrheit durchschauen. Von Statur her schlägt sie nach ihrem Vater: schlank und leichtfüßig ragt sie auf, überragt sogar viele der Männer. Von ihm hat sie auch eine Güte und den Willen nach Gerechtigkeit in die Wiege gelegt bekommen, von ihrem Großvater das Interesse an der Jagd.

Seit ihrer Amtsaufgabe ist ihr die Jagd vollends vergönnt, so sie doch am Hofe eher als feine Dame fungiert. Doch liebt sie es noch immer eifrige Diskussionen darüber zu führen und so manchen der adligen Besucher Britains hat sie schon damit beeinducken können.

Ihr Unglück war es, dass Cove, wie das ganze Land, grausame Zeiten erlebt hat, Zeiten die Not und Entbehrungen auf allen Seiten forderten. Doch sie hat es, während ihrer Amtszeit in Cove, geschafft, die Leute zusammenzuhalten und es gibt wohl keinen aus Cove, der nicht mit Stolz von seiner einstigen Gräfin spricht, die selbst einst ihre Kleider und den Schmuck verkaufte, um den Wiederaufbau der Stadt zu ermöglichen.

Und so ist sie in der Gunst ihrer Majestät Königin Josephine von Stolzenforst mit an oberster Stelle. Denn in ihr sieht die Königin die Mutter, welche sie nie hatte.

Wahrlich, Isolde von Dunkelwalde ist eine Freifrau vom wahrem Blute der Familie Dunkelwalde und ihr Stern möge noch lange leben.

Der einstige Graf von Minoc

Arkin von Lohfels

Feigheit - so lautet der unausgesprochene und doch überall gegenwärtige Vorwurf, den ihm der Volksmund andichtet, und in Hofkreisen munkelt man hinter vorgehaltener Hand, Herr von Lohfels sei der erste gewesen, der beim Ansturm der Gossenzwerge die Flucht ergriffen und dabei nicht einmal mehr Zeit gehabt habe, seine Stiefel mit sich zu nehmen. Auf den Schlachtfeldern sucht man ihn sicherlich vergebens, denn nie sah man ihn je dort, wo Stahl auf Stahl trifft und die Manneshand ehrvoll die Klinge zum Streit führt, wohl aber desöfteren in den Gemächern von Damen, und es hält sich nach wie vor hartnäckig das Gerücht, bei seinen zahlreichen Liebeleien, in die er sich zweifelsohne verstrickte im Laufe seines noch jungen Lebens, habe er es auf unerklärliche Weise immer wieder fertig gebracht, niemals zum Duell zu erscheinen.

Als einziger Sohn einer angesehenen Händlerfamilie wuchs der junge Arkin in behüteten, betuchten Verhältnissen auf, seine Mutter war eine Frau von anmutiger Bildung, gepflegter Erhabenheit und stiller Frömmigkeit, sein Vater, mit Leib und Seele Händler von Berufung, vermachte ihm das bisweilen als wetterwenderisch verschriene, geriebene Wesen eines Krämers, eröffnete ihm jedoch gleichzeitig die Möglichkeit, am Hofe der einstigen Gräfin von Vesper seinen großen Weg zu machen. Bis heute ungeklärt sind jene Vorgänge, die sich bei der Jagd der Großen des Landes zutrugen und in deren Folge Merohardt von Gesmir, der damalige Gatte der damaligen Gräfin von Vesper, seiner Verwundung erlag, die ein irrtümlich und versehentlich abgefeuerter Pfeil ihm zufügte. Sicher ist nur, dass einige Zeit später (Edeltraut von den Hohen Klippen hatte kurz zuvor erneut geheiratet und war nun Freifrau von Vesper) Arkin von Lohfels mit stolz geschwellter Brust zum Hofmeister der Gräfin ernannt und geadelt wurde, "angesichts der treuen Dienste, die er für die Grafschaft Vesper sich erwarb", wie es die einstige Gräfin mit ihren eigenen Worten auszudrücken pflegte.

Sie sollte ungewollt Recht behalten mit ihren Worten, sie hatte seinen grandiosen Aufstieg vorweggenommen, er war ihm aber trotz allem sicher, denn mit seinem neuen Amt und den dazugehörenden Aufgaben wuchs Arkin über sich hinaus, denn er nahm die Sache weitaus ernster, als man glauben wollte, und erwies sich bald schon als glänzender Mann für alles, was Verwaltung anbetraf, und die junge Freifrau nahm es mit Wohlgefallen zur Kenntnis, dass ihr Günstling seine Erhebung in den Adelsstand zwar erst im Nachhinein, dafür aber umso strahlender rechtfertigte, denn je mehr sich der Hofmeister um die Belange der Grafschaft zu kümmern begann und dies auch sehr fruchtbar tat, desto mehr Gelegenheit und Zeit hatte die Freifrau von Vesper, sich auf das Repräsentieren und die jüngsten Auswüchse der tüchtigen Schneider- und Tuchmacherzunft zu beschränken, was allen, besonders aber der Grafschaft und ihren Bewohnern, zugute kam.

Und die nächste, entscheidendere Wendung im Leben des Arkin von Lohfels ließ nicht lange auf sich warten, und es ist vielleicht typisch für seine Art und sein Wesen, dass er an dieser Entwicklung selbst nicht allzu viel Anteil hatte, sondern eher seinem Glück über die Füße stolperte. Es war kein geringerer als Asthor von Felsenbach, der damalige Obrist der herzoglichen Garde, der durch vielerlei persönliche Bemühungen und sein energisches, entschlossenes Auftreten den an Begabung und Talent reich beschenkten Arkin an den Hof des Herzogs von Stolzenforst berief. Welch ein Segen für Herrn von Lohfels, dessen Leben fortan als Arbeit am grünen Tisch verlief. Bei seiner Tätigkeit war nichts Spontanes mehr, nichts Strahlendes, dafür aber Logik, Ordnung, Strenge, alles das fasste sich zusammen in einem Arbeitsstolz, der in der Sache kein Zugeständnis und kein Mitleid kannte. Der Herzogsdienst im Schatten eines großen Mannes war für einen solchen Mann die wahre Lebenserfüllung - die Götter seien gepriesen, dass sie das zuvor flüchtige, rastlose Leben des Jünglings aus Vesper einer solch rühmlichen Läuterung und glücklichen Wandlung entgegenführten!

Bei der Arbeit allein fiel alles Knabenhafte ab von Arkins Zügen und die manchmal kokette Galanterie wich einer sorgsamen, kunstvoll und mit Kennerhand verordneten Amtlichkeit, und von Arkin ging auch die Durchprüfung und Säuberung des Hofapparates aus. Stockungen, Missbräuche und Pfründekösterei wurden möglichst beseitigt, und bald schon konnte sich der gestrenge Herrscher des Landes eines wahrlich getreuen Dieners rühmen, dessen Kenntnisse weit über Stolzenforst hinaus bekannt sind.

Noch heute munkelt man, der junge Herr von Lohfels hätte eine leidenschaftliche Affäre mit der damaligen Prinzessin von Stolzenforst gehabt und sie behielte ihn als Herzogin nur deshalb in ihrem Hofstaat, um der Gerüchteküche keinerlei Anhaltspunkte über diese Angelegenheit zu liefern, welche hochoffiziell verschwiegen wird.

Nach dem Tod des Grafen Roland von Baum wurde Baron Arkin zum neuen Grafen von Minoc ernannt. Gerüchten zufolge sah der Hofstaat die Ernennung als einzigen Weg, den jungen Baron aus dem Schloss zu bekommen und somit der Nähe zur Herrscherin zu entziehen. So herrschte Arkin als Graf über Minoc, dem damaligen Gipfel seines Erfolges. Doch mit den Titel und der damit verbundenen Macht steigt auch die Gier nach mehr ...

Nach der Krönung von Josephine entschloss sich Arkin die Aufgabe eines Verwalters unter Herzogin Filandra von Schwalbenhain anzueignen. Nun verweilt er am Königshof in Britain unter den wachsamen Augen der Herzogin von Schwalbenhain. Fortan unterlag nun die Verwaltung von Minoc einem durch das Volk gewähltem Bürgermeister.

Die einstige Gräfin von Vesper

Edeltraut von den Hohen Klippen

Edeltraut wurde als Tochter einer reichen Adelsfamilie geboren. Sie war das einzige Kind und wurde dementsprechend verzogen. Da die Last der Weitergabe des Namens auf ihren Schultern lag, erhielt sie eine fuer ein Mädchen ungewöhnlich gute Ausbildung, die nicht nur das Trivium, sondern zusätzlich eine vollstaendige Verwaltungs-Ausbildung, wie sie einem männlichen Erben normalerweise zuteil wird, einschloss.

Bereits während dieser Zeit zeigte sich jedoch das mangelnde Interesse der jungen Frau an den grundsätzlichsten Aufgaben des adeligen Lebens. Lieber setzte sie ihren Titel ein, um die ihr zustehenden Privilegien vehement einzufordern. Ihr Standesdünkel macht sie bei Untergebenen wie Gleichgestellten gleichermassen unbeliebt, und sie hatte sich schon bald einen Namen gemacht, der besonders unter den Dienern gefürchtet war.

Während ihre Ausbildung noch andauerte, verstarb ihr Vater, Baron Gerbald vom Grünen Fels, so dass Edeltraut bei der Verwaltung der Landgüter behilflich sein musste. Schon innerhalb weniger Wochen zeigte sich allerdings das komplette Unvermögen der jungen Frau, und sie brachte die Familie an den Rand des Ruins. Rettung in fast letzter Sekunde war die nicht ganz freiwillige Heirat Edeltrauts mit einem unbekannten, jedoch außerordentlich reichen Junker, Merohardt von Gesmir, der ausserdem die Güter der Familie zu neuem Reichtum führte, da er das an Einsicht und Arbeitslust besaß, was Edeltraut in so hohem Maße abging. Die Hochzeit verlief eher leise und die darauf folgenden Jahre waren von gegenseitigem Anschweigen geprägt, das Klima äußerst frostig, und die Ehe kinderlos.

Merohardt verstarb schliesslich auf einer Jagd, in der er irrtuemlich vom Pfeil eines Jagdgenossen tödlich getroffen wurde. Wer diesen Pfeil abgeschossen hatte, ließ sich im Nachhinein nicht mehr feststellen.

Schon seit einiger Zeit war Hartmut von den Hohen Klippen Gast im Hause derer von Gesmir gewesen und hatte besonders Edeltraut mit seiner Aufmerksamkeit bedacht, die diese jedoch nicht offen zu erwidern schien. Hartmut, seines Zeichens Graf von Vesper, schien sich jedoch daran nicht zu stören. Es verging kaum ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Gatten, da machte der Graf Edeltraut einen Heiratsantrag. Dass er mit weltlichem Besitz bei weitem höher gesegnet war, als mit Geistesgaben, stellte fuer diese Verbindung kein Hindernis da, und so wurde die Ehe geschlossen und Edeltraut erhielt den Titel der Freifrau von Vesper. Die Verwaltung wurde größtenteils von untergeordneten Beamten übernommen, da sich von den Herrschern keiner der Aufgabe gewachsen zeigte. So machte sich Trägheit im Hause breit, Edeltraut beschäftigte sich hauptsächlich mit Kleidung, Empfängen und allgemeinem Repräsentieren (worunter zahllose Leute entsetzlich zu leiden hatten), und war bald bei den Dienern jeglicher Adelshäuser gefürchtet. Ihre tiefe Abneigung gegenüber "Pöbel" oder "Gemeinen" trug außerdem dazu bei, dass auch ihre Untertanen (eine Bezeichnung, die von ihr häufig und betont gebraucht wurde) ihr ausschließlich negative Gefühle entgegenbrachte während ihrer Amtszeit, was sie jedoch nicht zu stören schien, da sie mit der gottgegebenen Gleichgültigkeit wahren Adels über alle die hinwegsieht, die niedriger stehen als standen. Auch heute noch lässt sie dem "Pöbel" in Britain spüren, dass sie dem hohen Adel angehört, sehr zum Leidwesen ihrer Majestät der Königin Josephine von Stolzenforst.

Die Beziehung zwischen den Eheleuten war damals für alle sichtbar, vollkommen zerrüttet. Kaum ein Jahr verging, da sah man Gräfin und Graf in getrennte Häuser ziehen, die Ehe blieb jedoch bestehen.

Hartmut ergab sich dem Wein und wurde eines Nachts mit gebrochenem Genick in der Vesperer Bucht gefunden. Alles schien darauf hinzudeuten, dass er im Suff auf die Brüstung einer Brücke gestiegen war und von dort hinabgestürzt war. Gerüchte besagen jedoch, dass ein dunkler Schatten kurz zuvor dem Grafen auf seinem Weg durch die Stadt gefolgt sei. Eben jener Schatten war aus dem Hause der Gräfin kommend, gesehen worden. Doch Weiteres wurde niemals herausgefunden.

So "regierte", besser: herrschte, die einstige Gräfin über Vesper, was sich allerdings nur dann negativ bemerkbar machte, wenn sie einmal neben dem Repräsentieren die Zeit fand, sich um die Regierungsgeschäfte zu kümmern. Dies war glücklicherweise selten der Fall. Wurde sie jedoch durch widrige Umstände dazu gezwungen, und möglicherweise dabei noch von ihren eigentlichen Interessen abgehalten, so machte sich dies in einer noch schlechteren Laune sowie einer Behandlung der Bittsteller bemerkbar, die unter aller Würde war. In diesem Sinne konnte damals jeder, der die Regierung der Stadt um etwas angehen wollte oder musste, nur hoffen, dass sich einer der Beamten seines Falles annahm. Besonders nichtmenschliche Rassen hatten bei der Gräfin ein schweres Los, da sie außerstande zu sein schien, jemandem, der kein Mensch war, etwas Gutes abzugewinnen. Auch in dieser Hinsicht sollte ein jeder, der etwas vorzubringen hatte, sein Vorhaben überdenken, und im Zweifelsfalle einen anderen vorschicken.

Es wird nicht ohne Grund gemunkelt, dass der Passus über Elfen und Zwerge von einem Adlatus heimlich und nachträglich in die Constitutio Juris eingefügt worden ist, und dafür ein anderer entfernt, der da lautete: "Elfen und Zwerge haben sich aus der Stadt fernzuhalten, da sie das Stadtbild stören und generell fuer Unfrieden sorgen".

Gerüchten zufolge sind sich Herzog Kerowyn von Taresien und Gräfin Edeltraut von den Hohen Klippen im Schloss näher gekommen und verbrachten viel Zeit miteinader. Deshalb verwunderte es keinen am Hof dass Edeltraut freiwillig mit dem Herzog nach Occlo gegangen ist um dort als Verwalterin tätig zu werden. Auch hier, so wie in den anderen Städten, erlies die Königin das Gesetz, dass ab sofort nun ein frei gewählter Bürgermeister die Amtsgeschäfte von Vesper übernehmen mag.

Der verstorbene Graf von Minoc

Roland von Baum

Geboren in Minoc wurde er - der alten Tradition zufolge - im Alter von 6 Jahren in die Ausbildung zum Krieger gegeben.

Doch nicht nur dies, musste er doch auch noch die hohe Kunst des Schmiedens erlernen, wie es sich für einen Herren von Minoc wohl geziemte. So auch der Glaube, in dem er erzogen wurde; nur die Geweihten selbst - und vielleicht die Zwerge - mochten Agharam glühender verehren als er.

Roland vom Baum war der Erstgeborene dreier Kinder. Sein Bruder Bargus, der Zweitgeborene, war der erste Sproß dieser Blutslinie, bei dem magische Kräfte nachgewiesen wurden, und so wurde Bargus, wie auch sein Bruder, mit 6 Jahren nach Moonglow geschickt, wo er die Magie studierte. Istara, Jüngste der Geschwister, gar lieblich anzuschauen mit den glühenden grünen Augen und den tiefschwarzen Locken.

Doch genug der lobenden Worte, nun soll von der Tragik im Leben unseres Herren berichtet werden. Und wahrlich, ich sage Euch, leicht hatte unser Herr es nie! So höret und leidet! Seine Eltern starben, so er achtzehn Lenze maß, ein Unfall mit der Kutsche in den Bergen war es wohl. Kein heimtückischer Überfall, bei dem sein Vater wohl kämpfend untergehen konnte, nein, ein einzig Tier nur hat die Pferde wild gemacht! So sagt man jedenfalls... Damit nicht genug, so ward sein junger Bruder, der dereinst als Berater nach Minoc zurückkehren sollte, in den großen Schlachten gegen jenen Daimon Namens Llud! Wohl getan, ging er doch unter, wie's sich auch der seel'ge Herr Vater wünschte! Dennoch, man mag unserm Herrn Roland seine Trauer nicht neiden... Abermals sollte nun das Schicksal seine Hand im Spiele haben, hiess er doch seine Getreuen, seine Schwester in Sicherheit zu bringen vor den Schergen Llud's. Und so ward's auch getan, doch ach! Als die Zeit der Kämpfe vorüber ward ein Trupp geschickt zu der entfernten Bergen.

Hört - nur die zerbeulten und zerfetzten Rüstungen fand man dort! Von seiner Schwester jedoch keine Spur...So regierte er nun allein, unser Herr... und wir müssen ihm wohl zugestehn, er blieb seinen Prinzipien treu, was immer ihm das Schicksal schlug!

Und auch nachdem der Herzog ihn zum Grafen ernannte, wie die anderen Herrscher der Städte des Reiches, führte Roland von Baum die Stadt mit weiser und gerechter Hand und mehrte ihren Reichtum unter dem Schutze des Rhodariad ebenso wie ihre Sicherheit und den Frieden im Namen Agharams. Fürwahr, ein günstiges Geschick musste den Grafen in die Stadt des Handwerks gesandt haben. Günstig für den Herrscher und die Bürger zugleich.

"War nicht er es, der, trotz seiner Wut, doch immer ein gerechtes Urteil sprach, wie's sein Glaube ihm gebot?
War nicht er es, der sich nicht zu fein, sein Urteil auch selbst zu vollstrecken?
Nein, wahrlich! Nie traf ich einen Mann von größ'rer Ehr' - so hört und glaubt es mir, er stand zu seinem Wort!
Ein dreifach Hoch auf unsern edlen Grafen!"


(gehört in der Taverne zu Minoc, von einem Minocer Bürger auf die Frage, was für ein Mensch der Graf war)

Nach langer Krankheit verstarb Roland vom Baum im Alter von 53 Jahren.

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